Anthem im Test

ABER

Das Fliegen ist super, die Vielfalt der Javelin auch und deren Fähigkeiten und Komponenten sorgen für mehr Tiefgang. Auch das Gunplay weiß zu überzeugen und alles zusammen fühlt sich sehr rund und durchdacht an. Leider Gottes, gibt es aber noch die Schattenseite zu den ganzen Stärken. Handeln wir mal die größten Probleme nach und nach ab.

Da wir gerade beim Gunplay waren, kommen wir gleich mal zu den Waffen. Anthem bietet 9 verschiedene Waffenklassen, die allesamt in 3 Formen daher kommen. Man könnte also sagen, dass es 27 verschieden Typen von Waffen gibt. Obwohl das in der Theorie zwar stimmt, sieht die Praxis ein wenig anders aus. Nehmen wir mal die Shotguns als Beispiel. Eine davon kann auf den Gegner ran zoomen, eine davon schießt 2 Kugeln mit einmal, die letzte ist ganz normal, also normaler als die anderen beiden.

Einfach ausgedrückt, gibt es faktisch gesehen zwar zahlreiche verschiedene Waffen, viele davon spielen sich aber sehr ähnlich. Auch optisch gibt es teilweise nur Änderungen im Detail. Das ist jedoch noch nicht das größte Problem der Waffen.

Neben den Fähigkeiten kommen auch die Waffen in verschiedenen Seltenheitsstufen daher. Wobei Meisterwerke hier das Beste vom Besten darstellen. Der einzige Unterschied zu den anderen Seltenheitsstufen ist jedoch, dass sie einen besonderen Perk haben. Ein MG macht beispielsweise pro Gegnertreffer mehr Schaden, ein anderes macht deutlich mehr Schaden in der Luft.

Das wars, mehr Besonderheiten bieten die Meisterwerke nicht. Sie heben sich weder optisch ab, noch bieten sie wirklich einzigartige Eigenschaften. Es sind einfach nur stärkere Versionen, der normalen Waffen. Doch das ist nicht das einzige Problem in Sachen Loot.

Obwohl wir einen schicken Javelin mit vielen Fähigkeiten und Waffen haben, gibt es keinerlei Rüstungsteile für die Anzüge. Dadurch ist die allgemeine Loot Vielfalt stark eingeschränkt. Als Beispiel können wir anführen, dass wir bisher 7 Meisterwerke bekommen haben, 5 davon jedoch die gleiche Waffe waren. Natürlich spielt auch das Glück eine Rolle dabei, doch wenn es nur X Möglichkeiten gibt, ist die Quote für doppelte Ausrüstung recht hoch.

Ein weiteres Problem, ist der Aufbau des Spiels und besonders die Struktur der Missionen.

Rückständig

Die Missionen in Anthem sind ausgesprochen einfallslos. In nahezu jeder Mission müsst ihr ein Gebiet erreichen, dieses verteidigen oder von Gegnern säubern, hier und da mal etwas einsammeln und dann geht’s zum nächsten Gebiet. Ach ja, jede zehnte Mission hat mal ein kleines Puzzle mit dabei, diese sind jedoch so lächerlich einfach, dass man sie genauso gut hätte weglassen können.

Beispielsweise muss man zwei Säulen so lange drehen, bis sie die richtigen Symbole zeigen. Das Problem dabei ist, dass die richtigen Symbole etwa einen Meter weiter an der Wand hängen. Wenn man also nicht blind ist, sollte man in wenigen Sekunden fertig sein. Hier und da hängen die richtigen Symbole auch mal ein paar Meter weiter weg, im Kern ist es aber genauso stumpf.

Richtig knifflig

Dadurch macht sich sehr schnell Eintönigkeit und Langeweile breit. Das gilt übrigens für alle Missionen, egal ob Story oder Neben Mission. Glücklicherweise sind die Javelins und deren Fähigkeiten vielseitig und spaßig genug, damit man es erträgt. Die Einfallslosigkeit der Missionen, wird auch durch Gegner widergespiegelt.

Da gibt es einmal tierische Gegner, welche als übergroße Skorpione, Krabben und Wölfe daherkommen, zumindest sind diese definitiv die Inspiration. Dann gibt es noch die Skar, Gesetzlose und die Dominion. Diese drei sind bei auf kleine Ausnahmen nahezu identisch. Diese Ausnahmen sind stärkere bossartige Gegner, die größer, stärker und ausdauernder sind.

Richtige Bosse bietet das Spiel insgesamt aber nur drei, nicht mehr. Bis auf einen, bieten diese auch keinerlei Besonderheiten. Einfach auf die Schwachstelle halten und mit der Zeit fällt er. Da hat man sich nicht allzu viel Mühe gegeben.

Nicht durchdacht

Leider hören die Probleme da nicht auf. Bei vielen Dingen haben wir uns einfach nur vor den Kopf gefasst. Beispielsweise das ausrüsten vor den Missionen. Nicht nur, dass es ausschließlich vor den Missionen geht, es gibt auch noch mehrere Ladezeiten, doch der Reihe nach.

Während der Missionen gibt es den Loot, ihr seht aber erst am Ende einer Mission, was ihr eigentlich eingesammelt habt. Dann geht es in die Schmiede, wo ihr eure Ausrüstung ändern könnt und dann geht’s zur nächsten Mission. Der genaue Ablauf ist aber wie folgt.

Ende der Mission > Ladezeit > Schmiede/ausrüsten > Ladezeit > Mission starten > Ladezeit > Mission beendet > Ladezeit > Ende der Mission….

All das, nur um beispielsweise eine Waffe zu wechseln. Übrigens sind die Ladezeiten ordentlich, da vergeht schon mal eine Minute. Das geht so nicht, besonders nicht für einen Loot Shooter. Selbst eine weitere Mission kann man nicht direkt starten, man MUSS nach jeder Mission in die Stadt zurück, also extra Ladezeiten in Kauf nehmen. Das ist schlichtweg scheiße, anders kann man es nicht sagen.

Dadurch wird das Spiel einfach unglaublich ausgebremst und normalerweise kann man nach jeder Mission noch Gespräche in der Stadt führen, was für noch längere Pausen zwischen den Missionen dauert. Es ist uns ein Rätsel, was BioWare sich dabei gedacht hat.

Ein weiteres gutes Beispiel, ist das zerlegen der Ausrüstung. Man kriegt natürlich reichlich Loot bei Anthem. Diesen Loot kann man bei Bedarf zerlegen für Komponenten, aus denen man selbst Waffen bauen kann. Kennt man aus jedem Spiel mit Loot, soweit so gut.

Man kann die Ausrüstung leider nur einzeln zerlegen, was also schön lange dauert. BioWare dachte sich aber, dass eine Schrott Funktion sinnvoll wäre, damit man die Ausrüstung markieren kann und dann alles mit einmal zerlegen kann. Eine super Idee, doch jetzt kommt der Kniff.

Man kann nur einzeln Sachen als Schrott markieren und dieses markieren dauert genauso lang, wie das direkte zerlegen. Ergo ist diese Funktion absolut überflüssig. Noch sinnloser wird das ganze dadurch, dass man die Schrott Funktion nur in der Kammer, wo alle Ausrüstungsteile für alle Klassen gesammelt werden, nutzen kann.

Zerlegen geht jedoch auch am Ende einer Mission oder in der Schmiede. Dort geht das auch relativ fix, wenngleich immer noch nur einzeln. Lediglich in der Kammer, wo eben die Schrott Funktion verfügbar ist, dauert das zerlegen länger, eben genauso wie das als Schrott markieren. Einfach nur sinnlos.

Man hat eigentlich die Konkurrenz und damit deren Fehler und auch deren Vorteile vor Augen und trotzdem macht man solche Fehler. Gleiches gilt für das Design der Missionen, aber nun gut.

So sieht es aus, wenn die Spielwelt nach und nach geladen wird

Optisch hui, technisch pfui

Hören wir mal kurz auf zu meckern, nur ganz kurz, und kommen wieder zu etwas positivem. Optisch ist Anthem wirklich eine Wucht und bietet detaillierte Javelins, opulente Fähigkeiten und beeindruckende Panoramen. Auch der Stil des Spiels ist sehr ansprechend und wirkt ausgesprochen stimmungsvoll. Das ist alles gut und schön, wäre da nicht die Technik.

Die extremen Ladezeiten haben wir ja bereits angesprochen, doch trotz alledem, gibt es massive pop-ups, nachladende Texturen und glitches. Selbst die Energieleisten der Gegner, HUD Elemente oder sogar die Karte sind manchmal einfach nur grau, weil sie nicht richtig geladen werden.Wenn ein Checkpoint neu geladen wird, ihr respawnt oder einem Verbündeten beitritt, müsst ihr auch saftige Ladezeiten in Kauf nehmen und mit ein bisschen Glück, seht ihr dann wie die Spielwelt nach und nach aufgebaut wird.

Der Sound ist leider auch nicht ohne Probleme, zu denen kommen wir gleich. Erstmal sei gesagt, dass die deutsche Synchronisation sehr gelungen ist und auch die Sounds der Waffen und Fähigkeiten sind wuchtig. Die Musik reicht von episch, bis belanglos. Während des Main Theme wirklich super ist, gibt es auch zahlreiche Stücke, die absolut generisch und austauschbar sind.

Was die Probleme angeht, so fehlen manche Soundeffekte einfach ab und an. Manchmal setzt der Ton auch für einen kurzen Moment komplett aus. Hier und da übersteuert er auch gerne mal, wenn zu viel auf dem Bildschirm abgeht. Er reiht sich also mit zahlreichen anderen Problemen des Spiels ein.

Es gibt noch zahlreiche andere Fehler und Bugs, die wir nicht erwähnt haben. Beispielsweise ist bei uns das Spiel mehrfach abgestürzt oder Verbindungen zum Server wurden unterbrochen. Auch gibt es zahlreiche Berichte davon, dass man manche Spieler nicht mehr in ihren Javelin einsteigen können und somit keine Missionen starten können. Derzeit gibt es keine genaue Begründung dafür, ebenso wenig wie eine Lösung.

Gegner bleiben in Wänden hängen, automatische Waffen hören kurz auf zu feuern, Fähigkeiten werden aktiviert ohne das was passiert, NPCs lassen sich nicht ansprechen, Missionsziele werden nicht aktiviert und mehr. Zwar haben wir diese nicht alle selbst erlebt, doch ausgehend von eigenen Erfahrungen, zahlreichen Foreneinträgen und Videos, hat das Spiel mehr als nur ein paar Fehler.

Gutes

Optik und Stil sehr gelungen
Javelins spielen sich sehr unterschiedlich
Fliegen und kämpfen macht einfach Spaß
Tolles Kombo System mit vielen Fähigkeiten

Schlechtes

Häufige und lange Ladezeiten
Schwaches Endgame
Waffen- und Gegnervielfalt lässt zu wünschen übrig
Zahlreiche Bugs und Fehler
Story und Charaktere bieten sehr wenig
Manches nicht zu Ende gedacht

6.8 Mittelmäßig

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren