Anthem im Test

Als Anthem auf der E3 2017 enthüllt wurde, hat es ordentlich Eindruck hinterlassen und für eine Menge Hype gesorgt. Als dann ein Jahr später mehr gezeigt wurde, machte sich zumindest optisch ein wenig Ernüchterung breit, doch man war immer noch gespannt auf das neue Werk von BioWare. Nach etwa sechs Jahren Entwicklungszeit ist Anthem nun endlich erschienen und naja, lest einfach mal was wir davon halten.

Das ist nicht BioWare

Wie gewohnt, starten wir mit der Story und den Charakteren. Hier kann BioWare seit jeher überzeugen und gehört zu den ganz Großen. Tja, jedenfalls war das bisher immer so, doch reißen wir die Story einfach mal grob an.

Die Geschichte der Welt von Anthem ist nicht ganz klar. Es wird geglaubt, dass vor unzähligen Jahren göttliche Wesen, die Gestalter, den Planeten erschaffen haben. Dabei griffen sie auf die Hymne (Anthem) der Kreation zurück. Eine schier unendliche Energiequelle, die alles möglich machen soll. Um diese Energie zu nutzen, haben sie Relikte verwendet, die teilweise noch in der Welt verstreut sind und für Anomalien sorgen.

Um dieser Anomalien und der dadurch entstehenden Probleme Herr zu werden, nutzen die Menschen sogenannte Javelins. Exo Suits, die Mithilfe von Gestalter Technologie entwickelt wurden. Gesteuert werden diese durch Freelancer. Im Spiel übernehmen wir die Rolle eines Freelancers, wobei wir das Geschlecht und auch das Gesicht wählen können. Wirkliche Relevanz hat diese Wahl jedoch nicht, da es keinerlei Einfluss auf die Story hat.

Jedenfalls war die Stadt Freimark einst die Basis der Freelancer, bis sie eines Tages von den Dominian angegriffen wird. Diese wollen den Kenotaph, ein mächtiges Relikt unter der Stadt, an sich bringen und damit die Hymne der Kreation unter ihre Kontrolle bringen. Das geht jedoch mächtig schief und dadurch wird Freimark zerstört und ein Cataclysm entsteht, das Herz des Zorns.

Hier fängt dann auch das Spiel an, denn unser Freelancer muss sich ins Herz des Zorns begeben und den Kenotaph deaktivieren. Dabei wird er von zahlreichen anderen Freelancern begleitet, die jedoch nahezu alle umkommen. Er kann sich gerade so retten und somit ist auch das Tutorial beendet.

Zwei Jahre später finden wir uns in Fort Tarsis wieder und es geht richtig los. Während einer Routine Mission treffen wir auf den Monitor, welcher die Dominion anführt. Allem Anschein nach, plant er erneut ins Herz des Zorns zu gehen und dort den Kenotaph in die Hände zu bekommen. Damit ist unser Ziel klar, wir müssen ihn aufhalten und zuerst den Kenotaph erreichen. 

Auch wenn der Aufbau, die Welt und die eigentlich Prämisse für einen interessanten Stoff sorgen, wird dieser nicht mal ansatzweise ausgereizt. Man hetzt von Mission zu Mission, zwischendurch gibt es ein paar Sequenzen, doch wirkliche Spannung wird nie aufgebaut. Das liegt an mehreren Dingen, die wir kurz mal alle anreißen.

Da wäre einmal die Inszenierung und der Aufbau der Story. Phasenweise kommt hier zwar Stimmung auf, doch zu keiner Zeit ist man richtig gepackt, weil sich einfach nicht die Zeit genommen wird, alles richtig aufzubauen und damit genug Gewichtung zu geben. So kurz und knapp wie hier den Monitor, die Dominion und dem Kenotaph ansprechen, werden diese auch im Spiel eingeführt, was uns auch zum nächsten Punkt bringt, den Charakteren.

Der Monitor ist zwar der Antagonist des Spiels, bleibt jedoch von Anfang bis Ende vollkommen blass und ist lediglich der Bösewicht der böse ist, weil er böse ist. Die restlichen Charaktere kommen zwar nicht ganz so schlecht weg, aber da wäre definitiv mehr drin gewesen. Bis auf einen Charakter, macht keiner eine wirkliche Entwicklung durch oder wächst einem ans Herz. Selbst dieser eine Charakter ist so vorhersehbar geschrieben, dass seine Entwicklung eher peinlich, als überraschend daher kommt.

Die restlichen Charaktere stehen brav in Fort Tarsis rum, haben nach den Missionen ein bisschen Text und sowas wie eine Hintergrundgeschichte kriegen manche auch. Doch da sie einfach nur dastehen und nie wirklich mit uns interagieren oder irgendeinen Einfluss haben, erfüllen sie nur den Zweck, etwas mehr Rahmen zu bieten. Leider bleibt dieser Rahmen über das ganze Spiel leer und genauso leer sind die Gesichter der Charaktere und ihre Persönlichkeit.

Der Hauptcharakter ist leider auch recht fad. Zwar ist er kein gesichtsloser Niemand der nur schweigt und dumm da steht, wie in einem gewissen anderen Loot Shooter, doch gerade der Hauptcharakter muss mehr hermachen. Er hat genauso wenig Tiefgang und Persönlichkeit wie alle anderen, weil sich einfach keine Zeit genommen wird, allem mehr Fleisch und Seele zu geben.

Besonders für BioWare Verhältnisse ist das sehr enttäuschend, da sie seit jeher für gute Storys mit interessanten Charakteren bekannt sind. Doch davon merkt man hier absolut nichts. Zum Ende des Tests kommen wir nochmal auf die Story zurück und warum diese so schwächelt, doch erstmal das Gameplay.

Ich bin Iron Man!

Wie ein Loot Shooter im Kern funktioniert, wird wohl jeder wissen. Daher gehen wir eher darauf ein, was Anthem vom Rest abhebt und anders macht. Wir werden hier zwangsläufig auch Vergleiche mit anderen Loot Shooter ziehen.

Der markanteste und zweifelsohne größte Unterschied zur Konkurrenz ist das Fliegen. Da wir in einem modernen Exo Suit stecken, wäre es langweilig nur am Boden rum zu springen. Neben Doppelsprüngen und Dashs, können wir uns tatsächlich in die Lüfte begeben. Der Javelin steuert sich dabei sehr gut und auch das allgemeine Feeling ist einfach klasse. Hier kann das Spiel richtig punkten.

Die Dynamik und vertikalität die damit einhergeht, sorgt für ein erfrischendes Spielerlebnis und das ist mitnichten die einzige Stärke des Javelin oder besser gesagt, der Javelin. Immerhin haben wir vier Modelle zur Auswahl und auch hier liegt eine Stärke von Anthem, denn die vier unterscheiden sich merkbar.

  • Ranger – Er stellt den Allrounder dar, bietet eine solide Wendigkeit, Stärke und Verteidigung.
  • Colossus – Er ist deutlich schwerfälliger als der Rest, hält jedoch auch deutlich mehr aus und kann ordentlich austeilen. Zusätzlich gibt es zwei Waffenklassen die nur er nutzen kann – Granatwerfer und Automatikkanone. Gleichzeitig kann er aber als einziger keine Handfeuerwaffen nutzen
  • Interceptor – Er ist der schnellste und wendigste aller Javelin, hält jedoch auch sehr wenig aus. Dafür kann er ohne Pause Nahkampfangriffe loslassen. Ebenso kann er als einziger drei mal am Stück springen und ausweichen.
  • Storm – Er kann länger schweben als die anderen drei und von dort oben, kann er seine zahlreichen, mächtige Spezialwaffen abfeuern und für extremen Schaden sorgen.

Neben zahlreichen Feuerwaffen, hat jeder der vier eine Palette an Fähigkeiten, bzw. Spezialwaffen zu ihrer Verfügung und einen mächtigen Ultima Angriff. Hier kommt eine weitere Besonderheit von Anthem zur Geltung – das Kombo System. Unter den Fähigkeiten gibt es Primer und Detonator. Ist ein Gegner von einer Primer Fähigkeiten getroffen, kann eine Detonator Fähigkeit für eine Kombo und damit auch ordentlich Schaden sorgen.

Zusätzlich gibt es dann noch viele Komponenten für den Javelin, die verschiedene Boni geben. Da gibt mehr Rüstung, mehr Munition, mehr Schaden mit Granaten und mehr. Hier kann man sich interessante Builds zusammenstellen und besonders in einem guten Zusammenspiel mit seinem Team, kann man jeden Gegner problemlos in die Knie zwingen.

Gutes

Optik und Stil sehr gelungen
Javelins spielen sich sehr unterschiedlich
Fliegen und kämpfen macht einfach Spaß
Tolles Kombo System mit vielen Fähigkeiten

Schlechtes

Häufige und lange Ladezeiten
Schwaches Endgame
Waffen- und Gegnervielfalt lässt zu wünschen übrig
Zahlreiche Bugs und Fehler
Story und Charaktere bieten sehr wenig
Manches nicht zu Ende gedacht

6.8 Mittelmäßig

Kommentare

Du hast etwas zu sagen?

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Das könnte dich auch interessieren