Aliens: Colonial Marines – Review

Getestet von | 26.02.2013 um 00:00 Uhr

1979 war die Geburtsstunde einer besonderen Science-Fiction Reihe, den Alien Filmen. Ridley Scott konnte mit dem ersten Alien-Film einen großen Erfolg feiern und sogar einen Oscar einheimsen. Die darauf folgenden Filme hatten mal mehr, mal weniger Erfolg. Doch die Aliens hatten sich für immer ihren Platz im Science-Fiction Genre gesichert. 2013 versuchen Sega und Gearbox aus einem alten Alien-Spiel-Projekt noch zu retten was zu retten ist. Ob das gelungen ist?

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Hirn aus, Spiel an

Die Geschehnisse von Aliens: Colonial Marines spielen 17 Wochen nach denen von Alien³. Ein Team von Colonial Marines soll sich auf der USS Sulaco auf die Suche nach vermissten Marines machen. Doch bereits etwas anderes hat sich auf dem Schiff breit gemacht und sich um die Crew gekümmert. Die Aliens.
Ihr schlüpft auf der Erkundungstour durch das Schiff in die Rolle von Winter, der schon fast Shooter-untypisch eigene Sprechrollen erhält und in Videosequenzen zu sehen ist. Auf der Suche nach den Marines seid ihr zum Glück selten alleine, ihre werdet meist von ein bis zwei Mitstreitern begleitet. Dadurch entstehen auch einige Dialoge zwischen den Charakteren, auf die man allerdings auch sehr gerne verzichtet hätte. Die Gespräche sind teilweise so merkwürdig und künstlich auf lustig getrimmt, dass sie so gar nicht in das Spiel passen wollen. Zudem offenbaren sie einige Logiklöcher, die so groß sind, dass Sephora und Sulaco zusammen Platz darin finden. Zwar stimmt die Hintergrundgeschichte irgendwo und mag auch einleuchtend sein, doch was darum konzipiert wurde, ist schlicht gruseliger als das Spiel selbst. Da wundert es auch nicht, dass es sich öfter so anfühlt, als würden Zwischensequenzen fehlen, wo man irgendwie mal eine Erläuterung erwartet hätte. Während man sich irgendwann also abgewöhnt hat, bei den Dialogen hinzuhören, bewegt man sich weiter durch das Raumschiff und trifft natürlich bald auf die ersten Aliens.
Während hier zu Anfang der Geschichte die Atmosphäre noch stimmt und auch ein beklemmendes Gefühl entsteht, sind die außerirdischen Gegner aber schon bald nicht mehr als Schießbudenfiguren und wir schießen die Gegner eher mit einem müden Gähnen über den Haufen, als dass wirklich mal eine Art Angstgefühl aufkommen möchte.
Da es auf Dauer etwas langweilig ist nur auf zombieartige Gegner zu schießen, wirft das Spiel uns noch ein paar menschliche Gegner, in Form der Weyland-Yutani Truppen, entgegen. Die sind durch Zufall auch auf der Sulaco und haben sogar die Waffensysteme an sich gerissen und beschießen jetzt munter die Sephora. Die Weyland-Yutani Soldaten scheinen zunächst auch wirklich etwas Abwechslung ins Spiel zubringen. Doch auch hier stellt sich schnell heraus, so wirklich mehr anstrengen als bei den außerirdischen Gegnern müssen wir uns nicht. Gar stellen sich die menschlichen Gegner sogar dümmer als die Aliens an. Da ist keine Seltenheit, wenn Gegner an uns vorbei rennen, um irgendwo hinter uns dann Schutz zu suchen.
Aber härter als die Soldaten von Weyland-Yutani sind nur deren Wissenschaftler, wenn die einmal auf ihre Bildschirme fixiert sind, dann stört sie nichtmal ein Kopfschuss mit der Schrotflinte. Nein, denn erstens richten Kopfschüsse nicht wirklich mehr Schaden an als Körpertreffen, noch besser: Die Wissenschaftler bemerken das nicht mal und sind weiter auf ihren Bildschirm fokussiert.

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Der technische Horror

Naja, dann dient Aliens: Colonial Marines halt eher als Schießtraining, auch nicht schlecht. Und das ist sogar noch Beste, was man dem Spiel abgewinnen kann. Denn Gameplay-technisch ist Aliens nicht unterstes Niveau, nein, es ist knapp drüber. So ist es mal schön ein Spiel zu haben, wo Schrotflinten keine Streuung besitzen und man genauer als mit den Gewehr zielen muss. Ansonsten darf man wirklich nicht viel mehr erwarten als eine mehr als billige Schießerei, die zwar ganz gut funktioniert, wo der Spaß aber auf Dauer fern bleibt.
Bei der Dauer angekommen, muss man sagen, dass Aliens: Colonial Marines eine solide Spielzeit bietet. Ob das angesichts der Qualität des Spiels jetzt als gut oder schlecht zu bewerten ist, sei mal dahin gestellt.
Fehlt noch der Schwenk zur Grafik, wo man am Liebsten schon erblinden möchte. Hier merkt man wirklich, dass das Spiel seit über zehn Jahren in Entwicklung ist. Da gewinnt sogar Call of Duty einen Schönheitspreis. Das Raumschiff ist aus einem detailarmen Guss und selbst die Aliennester verbessern da nicht wirklich was. Und auch mit Atmosphäre ist da nicht viel, wenn ihr an jeder Ecke die selben matschigen Texturen seht. Da ist es dann eine wirkliche Wohltat, wenn ihr aus dem Raumschiff raus und auf den Planeten kommt.
Denn in der kleinen Schlacht zwischen Sulaco und Sephora sind beide Schiffe zerstört worden und auf den Planeten LV-426 abgestürzt. Das Ganze sieht von den Effekten her dabei nicht Mal so schlecht aus. Und dort geht dann das muntere Abschießen, zwischen Colonial Marines, Weyland-Yutani und Aliens weiter.
Wie bereits gesagt, sieht die Außenwelt des Planeten besser aus als das Schiffsinnere. Was aber nicht heißen soll, dass der Rest des Spiels jetzt gut aussehen würde. Die Grafik bleibt auf einem schlechten Niveau, nur eben etwas besser. Daran sind zum einen die Effekte verantwortlich, zum anderen die doch etwas grafisch abwechslungsreicheren Abschnitte.
Während Aliens Colonial Marines also nichts für die Augen ist, wie hört sich denn das Spiel an? Abgesehen von der schlechten Synchronisation, wobei hier auch viel den Texten zu verdanken ist, doch ganz gut. Die Aliens kommen authentisch herüber und in einem insgesamt besseren Spiel, könnte dieser Sound wohl tatsächlich etwas zur Atmosphäre beitragen.

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Online, jetzt schon verkannt

Nun fehlt nur noch der obligatorische Onlinemodus. Und hier kann man fast etwas Gutes erwarten, denn die Idee Aliens gegen Marines ist durchaus reizvoll. Und ganz ehrlich, auch nicht so schlecht umgesetzt. In vier verschiedenen Modi kämpfen die Menschen gegen die Aliens, dabei geht es mal um die Flucht der Menschen, mal um das Zerstören der Alieneier und mal nur um das Abschlachten an sich. Bei den Menschen könnt ihr eure Klassen gewohnt selbst erstellen, bei den Aliens habt ihr die Wahl zwischen drei Variationen der Aliens, die unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen. Der große Vorteil der Aliens liegt natürlich in ihrer Fähigkeit an Wänden und Decken zu laufen und auch in einer Art Sonar, womit sie Menschen und Verbündete orten können. Dadurch entsteht auf der Seite der Aliens automatisch so etwas wie Taktik, denn wenn ihr wisst, was eure Verbündeten machen, könnt ihr euch einfach drauf einstellen.
Das heißt im Umkehrschluss, die Marines müssen zusammenarbeiten. Und das nimmt das Spiel mal wörtlich, denn wenn die Marines nicht zusammenarbeiten sind sie schnell Alienfutter. Arbeiten sie allerdings zusammen, so haben die Aliens kaum eine Chance.
Somit findet sich in der Tat die meiste Qualität im Onlinepart und dieser würde für Gruppen von Spielern sogar einiges an Langzeitmotivation bieten. Größtes Problem hier ist und bleibt das Nischendasein des Onlineparts in Aliens und bereits jetzt ist es je nach Modus schwer Mitspieler zu finden. Somit kann Aliens: Colonial Marines eine seiner Stärken nicht Mal wirklich ausleben.

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Fazit

Sega, Gearbox, das ging mehr als nach hinten los. Aliens: Colonial Marines bietet kaum Stärken, dafür so viele Kritikpunkte, dass die kaum aufzählbar sind. Hier wäre es durchaus besser gewesen, das Spiel einfach zu beerdigen, als ein solches Produkt abzuliefern. Aliens: Colonial Marines kann man eigentlich keinem empfehlen, lediglich die hart gesottenen Alien-Fans können einen vorsichtigen Blick drauf werfen. Für den Rest heißt es hier klar: Finger weg!

Gutes

+ gute Idee hinter dem Onlinepart
+ Alien-Universum

Schlechtes

- schlechte Grafik
- unsinnige Dialoge und große Logiklöcher
- grotesk-schlechte KI

6.0 Mittelmäßig

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