Menü

A Way Out im Test – Zwischen Film und Spiel

Artikel von | 25.03.2018 um 18:44 Uhr

2013 hat Starbreeze Studios, unter der Führung vom Kinofilm-Macher Josef Fares, mit seinem ersten Videospiel Brothers: A Tale of Two Sons eine Geschichte von zwei Brüdern erzählt. Besonders war damals, dass der Spieler beide Brüder gleichzeitig steuern konnte. Einige Jahre später hat Josef Fares mit seinem neuen Studio Hazelight Studios ein neues Projekt entwickelt: A Way Out. Der Koop Fokus blieb erhalten, wurde aber nochmals ausgebaut und um eine Geschichte von zwei Personen in einem Gefängnis aufgebaut – klingt an sich super, aber wie das letztendlich wurde, das erfahrt ihr in unserem Test.

Prison Break nun auch als Spiel

Die Geschichte fängt damit an, dass die beiden Spieler sich für einen der beiden Charaktere entscheiden müssen. Da haben wir auf der einen Seite Vincent. Er ist eher der ruhige und besonnene Typ. Auf der anderen Seite gibt es Leo, der doch eher impulsiv ist und erst handelt und dann nachdenkt. Wir begleiten Vincent am Tag seiner Inhaftierung und es dauert nicht lange, bis die beiden Charaktere sich dann auch begegnen. Nicht nur, dass die beiden Zellennachbarn sind, sie begegnen sich auch während einer Schlägerei auf dem Hof. Der erste Kontakt ist geknüpft und es dauert nicht lange, bis die beiden anfangen miteinander klar zu kommen. Eines verbindet sie nämlich, mit Harvey haben sie einen gemeinsamen Feind, der sie beide ins Gefängnis gebracht hat. Leo hat aber schon einen Plan, um zu fliehen und weiht Vincent in seinen Plan ein. Ab hier arbeiten die beiden zusammen und versuchen als Team das System auszutricksen, Gegenstände zu erbeuten und an ihrer Flucht zu arbeiten. Letztlich haben sie mit ihrer Rache ein gemeinsames Ziel. Man merkt auch schnell, wie wichtig die Zusammenarbeit der beiden Spieler ist und wie Gameplay und Story ineinander eingehen – doch, leider ändert sich das im Verlauf des Spiels etwas.

Umso weiter man nämlich spielt, desto abstruser wird die Geschichte nämlich. Am besten ist sicherlich der Vergleich zur Uncharted-Reihe. Dort gibt es nämlich immer die Erkundungs- und Rätsel-Sequenzen. Daraufhin folgt aber immer wieder eine Action-Sequenz mit Explosionen und Schusswechseln. Bei A Way Out ist es ähnlich, nur mit einem kleinen Unterschied. Denn die Action-Sequenzen werden im Verlauf häufiger und noch deutlich verrückter und unlogischer als zuvor. Statt einer mehr oder weniger realistischen Geschichte, wird es zum Ende hin eher eine „klassische“ Videospiel-Geschichte, in der 2 Charaktere gegen 1000 Feinde kämpfen. Und so wirkt auch die Geschichte Rückblickend nicht wirklich so einzigartig, wie man anfangs annehmen könnte. Sie lebt natürlich von den Interaktionen zwischen Vincent und Leo, den emotionalen Momenten und hat einige tolle Ideen. Verliert aber den Faden, wirkt teilweise über inszeniert und erzwungen und einige Twists hat man schon fünf Minuten vorher kommen sehen.

Hinzu kommt dann auch noch, dass sie manchmal einfach unfreiwillig lustig wirkt. Wenn es ein ernstes und emotionales Gespräch zwischen Leo und seiner Frau gibt, man aber auf dem anderen Bildschirm sieht wie Vincent gerade Leos Kind im Basketball platt macht, dann kann man nicht immer ernst bleiben. Aber gerade das macht A Way Out in sich wiederum einzigartig. Mit seinen 5-6 Stunden Spielzeit verbringt man einfach mit seinem Mitspieler einen richtig schönen Abend, bekommt eine Geschichte erzählt und kann miteinander Spaß haben. Wie als würde man einen gemütlichen Filmeabend haben, nur etwas interaktiver. Die Koop Umsetzung ist hier die größte Stärke, doch dazu später mehr.

A way out review test

Viereck, viereck, viereck!

Kommen wir aber erst einmal zum Gameplay. An sich bietet A Way Out hier recht wenig Neues für den Spieler. Man läuft herum, kann mit einigen Objekten interagieren, auch mal mit anderen Personen reden und später dann auch mit Fahrzeugen fahren oder mit Waffen schießen. Am besten ist hier also der Vergleich zu Spielen wie Heavy Rain oder der Telltale Reihe. Was A Way Out jedoch von den genannten abhebt, ist der erwähnte Koop-Modus. Den egal ob man nun offline oder online mit einem seinen Freunden spielt, wird der Bildschirm zwischen den beiden Spielern geteilt und jeder steuert seinen Charakter für sich in seiner Hälfte. Wobei je nach Szene auch manchmal ein Spieler mehr vom Bildschirm bekommt. Beide Spieler sehen also jederzeit was der andere macht und daraus entsteht eine schöne Dynamik. Beispielsweise kann einer der beiden Spieler auf die Wache schauen oder diese Ablenken, während der andere sich an ihr vorbei schleicht. Nicht selten muss man dafür dann ein Quick-Time Event abschließen und gerne einmal unzählige male Viereck drücken.

Gleichzeitig gibt es auch Aktionen, bei denen beide Spieler beteiligt sein müssen, wie beim Öffnen eines Tores oder ähnlichem. So läuft dann auch der Großteil des Spiels ab. Einer der beiden führt eine Aktion aus, während der andere ihm dabei unterstützt oder beide müssen zusammen an etwas arbeiten. Ab und an gibt es auch noch Besondere Entscheidungen. Hier schlägt dann jeweils einer der beiden Charaktere eine Vorgehensweise vor. Meist eine ruhigere von Vincent und die chaotische von Leo. An dieser Stelle müssen die beiden Spieler sich dann für eine der beiden Möglichkeiten entscheiden und dementsprechend erlebt man natürlich was anderes. Letztlich führt das aber zum fast gleichen Ergebnis, was aber nichts daran ändert, dass die Idee dahinter gut ist.

A way out review test

Durch die geringen Möglichkeiten sind auch Rätsel nicht besonders anspruchsvoll. Jedoch ist auf der einen Seite das Zusammenarbeiten der beiden Spieler, gerade bei zeitlich begrenzten Aktionen, genauso wie auf der anderen Seite die Minispiele eine tolle Ergänzung dafür. Und zu denen kommen wir jetzt. So gibt es unzählige Quick-Time Events im Spiel, bei Story-Sequenzen, wie auch bei Nebenaktivitäten. Und hier muss man die Entwickler wirklich loben. Denn in der Story gibt es echt schöne Momente, bei denen die Spieler zusammenarbeiten müssen. Sei es eine Wand mit dem Rücken zueinander hochzuklettern und dabei nicht die Balance zu verlieren oder eine Bootsfahrt, bei die beiden Spieler die Richtung beeinflussen und koordinieren müssen. Aber auch abseits der Story gibt es viel zu tun. Sei es das Bankdrücken im Gefängnis oder Spiele wie Darts, Basketball oder Baseball. Natürlich alles in sehr vereinfachter Form, dennoch währenddessen eine schöne Ablenkung und überaus unterhaltsam für die beiden Spieler, auch weil man dann natürlich versucht sich gegenseitig zu beweisen wer besser ist. Ab und an sorgt das auch für einige Lacher, wenn die Koordination nicht ideal ist.

Jetzt haben wir über viel Gutes geredet, kommen wir zum weniger Guten. Allem voran muss hier der Shooter-Aspekt genannt werden. So schön es auch ist, dies im Spiel zu haben und nicht nur beim Boss einfach R2 zum Töten zu drücken, so schwach wurde es auch umgesetzt. Die Hitbox beziehungsweise die Präzision allgemein ist extrem schwammig. Manchmal muss man einen Zentimeter von einem Objekt zielen, damit man auch wirklich trifft und zeitlich versetzt ist es dann auch noch. Man hat hier nur die nötigsten Punkte eines Shooters umgesetzt, verständlich aus Sicht eines Indie-Entwicklers, aber einen großen spielerischen Mehrwert hat dies dann aber nicht. Ähnliches gilt im Prinzip auch beim Schleichen und Fahren. Es funktioniert und wenn man aufpasst, dann auch mit Erfolg, aber alles etwas schwammig, unrealistisch oder die KI setzt einfach aus. Hier merkt man einfach, dass der Fokus woanders lag. Dass wir es trotzdem erwähnen und kritisieren müssen, ist aber genauso klar.

Zwischen Innovation und Rückständigkeit

Hier kommen wir noch einmal zur größten Besonderheit von A Way Out, dem Koop. Wie erwähnt, kann man es entweder offline oder online spielen. Wenn man es aber online spielen möchte, dann muss nur einer der beiden die 29,99 Euro bezahlen und kann kostenlos all seine Freunde zum Spielen einladen. Dennoch sind maximal immer nur zwei Spieler gleichzeitig möglich. Als Käufer kann man nämlich seinen Freund einladen, dieser lädt sich dann die Free Trial und kann mitmachen – ganz ohne zweimal zahlen zu müssen. Doch auch wenn man mehr als nur einen Freund einladen kann, der Käufer muss aber stets mitspielen und damit A Way Out mehrmals durchspielen. Ein gewisser Wiederspielwert ist durch die unterschiedlichen Entscheidungen ohnehin vorhanden und durch das spielen des anderen Charakters gibt es eine andere Perspektive.
Aber wie läuft das Spiel online? Alles in allem überaus gut müssen wir feststellen. Wir hatten während des Tests zwar eine Szene bei der gar nichts mehr ging, jedoch nach einem kurzen zurücksetzen hat alles wieder geklappt. Eine minimale Verzögerung gab es schon, die war aber nur zu spüren wenn beide Spieler gleichzeitig eine Aktion ausführen mussten.

Machen wir mal weiter mit der Technik. Bei der Optik pendelt A Way Out ein bisschen hin und her. Charaktere, Zwischensequenzen und einige Bereiche sehen sehr hübsch aus, ohne Zweifel. Aber es gibt auch Momente wo Texturen erst später geladen werden, unscharf sind, Kantenflimmern öfter einmal vorkommt oder Objekte herum glitchen. Hervorzuheben ist auch noch, dass es tolle Ideen mit der Kamera gab. Auf der einen Seite nämlich tolle Kamerafahrten, aber auch besondere Kameraeinstellungen, die dann auch Einfluss auf das Gameplay haben. Insgesamt lebt der Titel natürlich nicht von seiner Optik und schaut ganz ok aus, hat wie erwähnt eben seine guten, wie auch schlechten Momente.
Das auffälligste beim Sound ist zuerst natürlich die Sprachausgabe. Eine deutsche Vertonung gibt es hier nämlich nicht. Die Spieler müssen sich damit zufrieden geben, dass es nur das englische Original mit deutschen Untertiteln gibt. Für alle die das weniger stört, sollte es auch keine Probleme damit geben. Etwas störender waren manchmal die Dialoge mancher NPCs. Nicht nur das sie oft abgefeuert wurden, haben sie sich auch noch wiederholt und waren damit eher nervig. Abseits davon gab es noch etwas eigene Entscheidungen bei manchen Sounds, beispielsweise den Schusswaffen, aber ansonsten waren der Sound und die Musik weder positiv noch negativ groß aufgefallen.

A way out review test

Wohin führt uns der A Way Out?

Das Spiel hat mit seinem Koop-Fokus etwas Innovatives versucht und dieses dann auch in gewisser Hinsicht geschafft. Auch wenn die Story weder die Oscars gewinnt, noch einzigartig war, das Gameplay keine Offenbarung und der Sound eher zweckmäßig ist, so ist A Way Out insgesamt gesehen ein überaus unterhaltsames Spiel. Es lebt einfach von seinen Momenten, bei denen die beiden Spieler zusammenarbeiten müssen oder auch mal kleine Kinder sind und sich beim Baseball spielen duellieren. Das führt letztendlich dazu, dass man kein unvergessliches Abenteuer im Kopf behält, aber einen super Abend mit seinen Freunden hatte. A Way Out zeigt auf, dass ein solches Koop-Konzept funktionieren kann und wenn andere Entwickler dadurch vielleicht ein ähnliches Spiel machen, dann war dieser Versuch des gemeinsamen Kinoabends als Spiel ein voller Erfolg und hätte mich als möglichen Käufer mehr als nur überzeugt – gerade in Zeiten in dem der Splitscreen in Spielen immer mehr zu einem Relikt einer längst vergessener Zeit wird.

A Way Out Testbericht

A Way Out

  • Release: 23.03.2018
  • Genre: Adventure
  • Entwickler: Hazelight
  • Publisher: Electronic Arts

Gutes

+ Zusammenarbeit gut in Story eingebunden
+ Minispiele sehr erfrischend und zahlreich
+ Nur einer der Spieler muss es kaufen

Schlechtes

- Geschichte nicht unbedingt neu und vorhersehbar
- Shooter- und Fahrzeug-Sequenzen eher zweckmäßig
- Doch eher etwas kurz für den Preis

7.9 / 10 Gut

Deine Meinung? Let's Chat!

Jetzt einloggen oder registrieren um ein Kommentar zu schreiben

Anmelden