Kommentar – Warum uns die Fusion von Quantic Dream (Detroit: Become Human) und NetEase beunruhigt

Artikel von 30.01.2019 um 12:37 Uhr

Es ist noch nicht viel Zeit vergangen seit dem Shitstorm, den die vergangene BlizzCon verursacht hat: Blizzard kündigt an, mit dem chinesischen Unternehmen NetEase zusammen an Diablo Immortal zu arbeiten – einem Mobile-Ableger, den keiner der Fans wollte. Es hagelte, wohlwollend ausgedrückt, reichlich Kritik. Nun ist bekannt: Auch Quantic Dream, Entwicklerstudio von Heavy Rain oder Detroit: Become Human, geht eine Kooperation mit NetEase ein.

Das ist insofern verwunderlich, da Quantic Dream bislang mit bewundernswerter Konsequenz Singleplayer-Adventures produziert hat, die scheinbar so gar nicht in das Konzept eines Unternehmens wie NetEase passen – dessen Hauptzielgruppe ist nämlich der chinesische Mobile-Markt. Die erste Konsequenz aus der Kooperation ist bereits bekannt: Quantic Dream produziert Spiele in Zukunft nicht mehr exklusiv für PlayStation. Man wolle ein größeres Publikum erreichen, sagt co-CEO Guillaume de Fondaumière im Interview mit VentureBeat:

We want to make our creations accessible to as many gamers as possible worldwide.“

Was auf dem Papier zunächst einmal gut für die Spieler klingt, hat hinsichtlich der Entwicklungen der letzten Jahre aber einen bitteren Beigeschmack: Macht das Team in Zukunft Casual-Games, die auch auf dem Smartphone funktionieren müssen? Möglich, denn die Mobile-Games Industrie macht nirgends so viel Umsatz, wie in China (Quelle). Und de Fondaumière sagt auf Nachfrage hin, dass man den chinesischen Markt im Auge habe:

 China is the world’s largest market and it seems that every day the gaming world becomes more uniformed.“

Es wäre aus Entwicklersicht also nicht unwahrscheinlich, das Smartphone als neue Plattform in Betracht zu ziehen. Die Entscheidung, mit NetEase zusammenzuarbeiten, sei schließlich auch eine Konsequenz der sich verändernden Gaming-Landschaft gewesen:

The landscape was going to evolve significantly in the coming years – with new platforms, new business models, new ways of playing and new businesses driving change in the industry.“

Eine Entwicklung der Spieleindustrie in den letzten Jahren sind vor allem auch Mikrotransaktionen – ein Phänomen, das trotz aller Kontroversen mittlerweile fast selbstverständlich in AAA-Spielen enthalten ist und jede Menge Umsatz generiert. Ein Vorteil der Zusammenarbeit zwischen Quantic Dream und Sony war, dass die Spiele des Entwicklerstudios bislang frei davon waren. Ob das auch in Zukunft so ist, bleibt abzuwarten. Wir möchten den Teufel natürlich nicht an die Wand malen, aber wir sind skeptisch, was die Zukunft bringt.