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Borderlands: The Pre-Sequel im Test

Artikel von | 07.07.2002 um 23:15 Uhr

Erst kam Borderlands, dann kam Borderlands 2 und jetzt kommt… Borderlands 3? Nein, so einfach ist das nicht. Denn mit Borderlands: The Pre-Sequel erschien der neuste Ableger der Serie aus dem Hause 2K Games und der Name ist auch Programm. Der Titel ist nicht der erhoffte dritte Teil, gut das lässt sich auch aus dem Namen herausfiltern und ebenso, dass es eine Mischung aus den bekannten Begriffen Prequel und Sequel ist. Im Klartext heißt das, der Titel erzählt die Vorgeschichte von Borderlands 2, ist gleichzeitig aber auch der Nachfolger von Borderlands 1, was die Geschichte angeht und dient daher als Story-Füller. Nicht gerade unwichtig ist auch der Fakt, dass sich nicht wie bisher Gearbox dafür verantwortlich macht, sondern 2K Australia und diese lediglich die Engine und ein bisschen Hilfe von Gearbox erhalten haben. Doch ist Borderlands: The Pre-Sequel nun ein guter Nachfolger den man spielen sollte oder nur ein Lückenfüller zum Ignorieren? Das erfährt ihr nun in unserem Test.

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Prequel? Sequel? Pre-Sequel oder vielleicht Sequprequel?

Denk an Borderlands 1, ne ne das passt nicht ganz. Denkt an Borderlands 2, ahh das passt auch nicht ganz. Jetzt denkt an beide Teile zusammen, mischt dazu noch den Mond und eine Raumstation, fügt neue Charakter und andere Kleinigkeiten hinzu, entfernt die Schwerkraft und Tada! ihr habtBorderlands: The Pre-Sequel. Klingt zwar einfach, ist es eigentlich auch. Denn die Story dreht sich hauptsächlich um die Geschehnisse zwischen den beiden Teilen, wieso die Dinge so sind, wie sie nunmal sind und wie Handsome Jack zu solcher Macht und seiner Roboter-Armee kam, obwohl er am Anfang des Spiels gar nicht so Handsome ist, wie er vorgibt. Letztlich muss man wohl einfach sagen, dass man als Borderlands Fan wohl irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man vielleicht bei der Story nicht hinterher kommt und die Übersicht verloren hat oder man einfach so mit Schießen und Missionen erledigen beschäftigt ist, dass man die Story einfach links liegen lässt. Während im ersten Teil die Story „Kammerjäger > Zeug erledigen > Kammer“ war, hat man das Gefühl, dass es bei Pre-Sequel eher so ist: „Zeug erledigen > Noch mehr Zeug > Raumstation erobern > Ach, da gibt auch ne Kammer?“ Ist.

Das Spiel beginnt damit, dass ihr seht wie Athena, die man vielleicht aus dem ersten Teil kennen sollte, gefesselt an einem Pfahl steht. Sie wurde für ihre Taten gefangen genommen und wird nun unter anderem von der Kammerjägerin Lilith gefangen befragt. Athena war für Monate eine Söldnerin und als sie den Auftrag bekam eine Kammer zu öffnen und so Geld und Ruhm zu erhalten, konnte sie dies nur schwer ablehnen. Als Nacherzählung beginnt so dann die Geschichte mit dem Start einer Rakete ins Weltall, genauer gesagt auf die Raumstation Helios. Kaum kommt ihr an, wird diese bereits angegriffen und bei dieser Übermacht bleibt euch nichts anderes zu tun als zu fliehen. Bei der Flucht hilft euch Handsome Jack, welcher sich für euch opfert. Euer Plan ist einfach, macht irgendwas, bereitet irgendwas vor, habt auf dem Mond spaß – aber früher oder später müsst ihr die Raumstation wieder zurück erobern und eine Kammer gibt es auch. Begegnungen mit altbekannten wie Moxxi, Tiny Tina, Mr. Togue, Roland und weiteren lustigen Charakteren dürfen natürlich auch nicht fehlen.

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Irgendwas so mit Gameplay oder so

Borderlands: The Pre-Sequel ist und bleibt einfach Borderlands. Ob das nun komplett positiv oder auch negativ ist, dass bleibt jedem selbst überlassen. Der Kern des Spiels ist nahezu unverändert. Anfangs habt ihr die Wahl zwischen den klassischen vier Klassen. Natürlich sind die meisten Skills und Fähigkeiten im Detail unterschiedlich, doch grob gesagt bleiben die Klassen gleich. Wir haben einen Maschinen Experten mit Drohnen, einen Heiler, quasi eine Scharfschützin und etwas dazwischen. Jeder von ihnen hat einen unterschiedlichen Charakter und gerade Claptrap als spielbare Klasse glänzt mit seinem unnachahmlichen Charme während dem kompletten Spiel. Dazu kommen noch die zufällig generierten Waffen, die einfach unersetzbar im Spiel sind. Durch bestimmte Effekte, wie das die Waffe sich beim Nachladen wie eine Granate werfen lässt, verschiedenen Elementareffekten und natürlich den klassischen Werten wie Schaden und Nachladezeit, hat man stets das Verlangen weiterzuspielen und besser zu werden. Die Fähigkeiten fügen dem sonst so tristen Shooter-Alltag natürlich noch ein bestimmtes Kraftgefühl und bei Claptrap eher zu einem Grinsen und später eher zu Kopfschütteln durch den Zufallsbasierten Super-Angriff – Mensch ist das nervig, wenn man durch Amoklauf ungebremst herum schießen muss oder durch einen Ballon durch Level springen muss. Aber hey, es ist Claptrap und sagt bloß nix gegen ihn, das verstößt gegen das Robotergesetz! Dennoch spielt er sich blöd wenn man alleine ist, aber sagt ihm das bloß nicht.

Die größte Änderung ist ohne Zweifel natürlich der Fakt, dass man auf dem Mond spielt. Dort gibt es nunmal nicht nur weniger Schwerkraft sondern bekanntermaßen auch weniger Sauerstoff. Durch die fehlende Schwerkraft kann man in Pre-Sequel nicht nur extrem hoch springen, sondern auch durch sein Jetpack etwas schweben und auch mit voller Kraft auf dem Boden Krachen und so den Feinden etwas Schaden austeilen. Hier sollte man aber beachten, dass für das Schweben oder Atmen außerhalb der Atmosphäre Sauerstoff gebraucht wird. Man hat zwar einen Tank mit dem der Spieler einige Zeit sein Werk verrichten kann, doch nach einer gewissen Zeit muss man Sauerstoff zu sich nehmen, sonst verliert man HP und schließlich sein Leben. Sauerstoff erhält man entweder in einigen Gebäuden, durch kleinere Behälter die Gegner fallen lassen oder durch fest platzierte Plätze auf dem Mond. Das nervt am Anfang des Spiels etwas, aber mit mehr Erfahrung muss man später nicht darauf achten und hier ist auch der größte Vorteil von Claptrap, vielleicht auch der einzige. Dieser braucht selbstverständlich kein Sauerstoff und ist somit nicht ans ständige aufladen des Tanks gebunden. Gerade durch das Schweben hat man ab und an als Spieler von Destiny das Gefühl, dass man hier vielleicht BorStiny spielt, aber das ist auch der einzige Punkt.

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Denn zwischen Destiny und Borderlands gibt es einen entscheidenden Unterschied. Wenn man denn eine PlayStation 4 besitzt oder Destiny gespielt hat, dann ist Borderlands: The Pre-Sequel technisch echt eine Sauerei vom Feinsten. Es lädt an jeder Ecke, ohne irgendwelche online Funktionen, Kantenflimmern, Tearing, Ruckeln und all das in einer nicht mehr so hübschen Grafik verpackt, zu der wir etwas später kommen. Es spielt sich einfach im Jahr 2014 komplett veraltet. Das ein Spiel etwas lädt, nun das ist ja nichts Besonderes. Das Borderlands typische Stück für Stück laden am Anfang eines jeden Levels ist zwar auch nicht hübsch, aber besser als ein Ladebildschirm. Aber wenn man sich eine kurze Auszeit vom Schießen nimmt und nur mal aufs technische schaut, dann will man doch lieber die PS4 anmachen. An fast jeder Ecke lädt das Spiel nochmal nach und stellt die Texturen erst einmal scharf – selbst wenn man eine Munitionskiste öffnet und diese dann erst die Munition-Texturen laden muss, naja dann ist das einfach nicht schön. Zu den Rucklern muss man sagen, dass die Entwickler im Vergleich zu den Vorgängern durch Schwerelosigkeit und weiteren Effekten alles noch viel chaotischer gemacht haben und das Spiel durch die vielen Dinge nun hier und da ruckelt. Doch im Splitscreen Koop-Modus ist das Spiel eine reine Ruckelorgie. Ganz klar ist aber, ob jetzt im Splitscreen oder im Online Koop, das Spiel sollte unbedingt mit mehreren Leuten gespielt werden, denn dann entfaltet sich das Spiel um ein vielfaches.

Man kommt da an einen Punkt wo man einfach nicht weiß was passiert und einfach nur schießen drückt, weil alles um einen herum explodiert, dann kommt das ruckeln hinzu und nimmt jegliche Präzision und der halbe Bildschirm mit dem geschnitten Menü tut seinen Rest dazu. Ebenfalls übernommen wurde das Speichern beim Beenden eines jeden Levels, was einfach total nervig ist. Man möchte weiterspielen und den Bereich wechseln, aber dann speichert Borderlands erst den einen Charakter, dann den Charakter des Freundes und wenn man dann die gefühlte Ewigkeit gewartet hat, dann darf man in den Ladebildschirm um im nächsten Bereich direkt wieder zu speichern. Bei Borderlands: The Pre: Sequel kommen einfach so viele technische Kleinigkeiten hinzu, bei denen man sich einfach fragen muss, ob das 2014 wirklich noch sein muss. Natürlich kommt die PlayStation 3 hier an seine Grenzen, doch liegt es an den Entwicklern zu entscheiden für welche Plattformen es kommt. Vielleicht arbeitet man am Hintergrund auch an Borderlands 3 für die Next-Gen Konsolen und hat versucht ein Zwischenspiel ohne viel Arbeit und kleinen Veränderungen zu veröffentlichen um den Fan oder Aktionär zu beglücken.

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Graf. Von isch ist das super duper, ähhh naja…

Was das Gameplay und das technische betrifft, ist man sich ja treu geblieben, das gleiche trifft auch bei der Grafik zu. The Pre-Sequel setzt auch auf das bekannte Borderlands Cel-Shading. Dadurch kann man nie wirklich einen Vergleich mit Call of Duty oder Konsorten durchführen, denn letztlich ist es einfach an ganz anderer Look. Man könnte sich aber die Frage stellen, wie das Spiel denn aussehen würde, wenn man auf Cel-Shading verzichten würde. An einigen Stellen hat man einfach das Gefühl, dass man die Welt fast schon dahingeklatscht hat und man dies eben durch Cel-Shading verstecken könnte – auf der anderen Seite hat Borderlands einfach den bekannten und geliebten Stil den man irgendwie auch nicht vermissen möchte. Worauf wir hinaus möchten ist, dass die Texturen und somit die komplette Grafik alles andere als Zeitgemäß oder in irgendeiner Weise hübsch sind, gerade wenn doch mal einen kurzen Blick auf die Shooter Konkurrenz wirft. Natürlich steuern die technischen Macken wie Kantenflimmern, etc. noch zusätzlich einige Aspekte zu dieser Grafik Pracht hinzu. Man muss den Entwicklern von 2K Australia aber ein klares Kompliment machen, denn wenn man noch einmal einen Blick in die Vergangenheit wagt und Borderlands 2 spielt, dann wurde grafisch The Pre-Sequel wirklich nochmal minimal verbessert. Wer also Borderlands liebt, der wird sich über eine etwas bessere Grafik freuen, wer aber nur ein kleines bisschen Anspruch an die Grafik seiner Spiele setzt, nun der sollte vielleicht eher Abstand hiervon nehmen und jede Hoffnung auf Gearbox und eine womöglich neue Engine für die PlayStation 4 setzen.

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Beim Sound kann man Borderlands: The Pre-Sequel nun wirklich wenig ankreiden. Man sollte aber zwischen Spielsound und Übersetzung beziehungsweise Humor ganz klar unterscheiden, jedoch ist beides super. Der Spielsound ist stimmig, klingt richtig fein an jedem Ohr und Explosionen und andere Effekte klingen wuchtig und passen haargenau zum Spielgeschehen. Dazu kommt natürlich der grandiose Humor und der ist den Entwicklern voll und ganz gelungen und mit der größte Pluspunkt im Spiel. Der Spieler erlebt so viele verrückte und abstruse Momente im Spiel, dazu kommen noch Anspielungen auf Filme oder andere Spiele und natürlich die Witze der Charaktere. So muss man zum Beispiel bei der Charakterwahl am Anfang des Spiels erstmal dreimal bestätigen das man wirklich mit Claptrap spielen will, da euch die Entwickler davor warnen diesen zu nehmen. Die Soldaten haben große Ähnlichkeit zu einem bestimmten Master Chief eines bestimmten Spiels, Verrückte Persönlichkeiten ergeben sich, wie in einer Mission wo plötzlich eine Katze mit Geburtshut mit euch spricht (in Form eines 27 Jahre alten Mannes), gefolgt von einem rassistischen Hot-Dog, aber denen sollte man sowieso kein Wort glauben. Es gab auch eine Mission, in der ein Forscher in seinem Labor in Weltraum lüften wollte und ein Fenster öffnen wollte. Dieser wurde natürlich sofort ins All hineingezogen, die Mission fand ein Ende und man erhielt jede Menge Erfahrung dafür. Es gibt so viele tolle und verrückte Momente im Spiel, die einen einfach unterhalten und man die Schwächen in Grafik, Gameplay und Technik einfach mal vergisst – nur leider ist das gesamt Spiel nicht auf dem Level des Humors. Eine weitere Demonstration dieses Humors seht ihr im folgendem Video, welches eine Referenz auf einen bestimmten Basketball Spieler nimmt und nicht nur lustig, sondern total abwegig ist – solche Momente erlebt ihr öfters mal während dem Spiel und zeigen einem klar auf, für was Videospiele gedacht sind: Unterhaltung, und das ist Borderlands auf jeden Fall.

Fazit: Pre-Sequel ist wie eine Waffe im Spiel, für den Moment ganz ok, aber man weiß es gibt immer eine bessere…

Also was erhaltet ihr nun alles in allem bei Borderlands: The Pre-Sequel? Nun, als Borderlands Fan erhaltet ihr nun mal genau das, was ihr in den vorherigen Teilen bekommen und auch geliebt habt. Zugleich ist es eben auch die Schwäche am Spiel, weil sich nahezu nichts gravierendes geändert hat. Ihr seit immernoch Kammerjäger und habt in einer riesigen, neuen, Welt euren Spaß und erlebt jede Menge tollte Momente während eurem Abenteuer. Gleichzeitig ist der Titel nun mal was Technik, Grafik und wohl auch im Gameplay nicht die gehoffte Neuerung, die man sich vielleicht gewünscht hat und gerade die Story ist vieles, und vor allem lustig, aber mit Sicherheit keiner der starken Aspekten des Spiels. Sieht man Borderlands: The Pre-Sequel als Lückenfüller und war bereits mit Borderlands 2 mehr als zufrieden, der erhält eben genau das mit vielen neuen Elementen, aber alle anderen sollten erstmal Abstand vom Titel nehmen und wohl auf Borderlands 3 warten, welches dann die Geschichte der Vorgänger fortsetzt und wohl auf der PlayStation 4 mit vielen neuen Aspekten punkten könnte – wenn Gearbox die Zeit auch genutzt hat. Aber wer weiß was 2K Games mit dem Titel plant, denn nach der Veröffentlichung von einigen Erweiterungen könnte vielleicht auch ein Release von Pre-Sequel als GOTY-Spiel für die PS4 stattfinden, welches mit einer Aufrischung viele schwache Punkte aufbessern und dann jegliche Zweifel an einem Kauf wegwischt?

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