[Aktuell] Diskussion über Spieleverbot in den USA

Artikel von 22.12.2012 um 15:22 Uhr

Der 14. Dezember dieses Jahres geht in die Anzahl derjenigen Tage ein, die von einer der grausamsten, vorstellbaren Taten eines Menschen geprägt wurden. An einer Grundschule in den USA wurde ein Amoklauf verübt, bei dem 28 Menschen ums Leben kamen und bei dem es sich damit um einen der folgenschwersten Amokläufe handelt. Natürlich hält die Forschung nach den Gründen für die Tat noch weiter an, doch wie immer in solchen Fällen werden nicht die Ursachen, sondern nur die Symptome thematisiert.

Nun wurde nach diesen Ereignissen von einem US-Senator ein Thema aufgeworfen, dass wir Spieler aus Deutschland nur zu gut kennen: Es geht um das Verbot von Videospielen, die viel Gewalt als Inhalt haben. Als Beispiel wird Rockstars für Frühjahr angekündigtes GTA V genannt. Ziemlich eindeutig wird es als eine mögliche Ursache für Taten wie die in Newtown gesehen.

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Joe Manchin, der besagte US-Senator, äußerte sich wie folgt:

Zitat:

Schaut Euch Grand Theft Auto an, welches von Rockstar Games in New York City herausgebracht wird und schaut Euch an, für was es wirbt. Sollte das nicht genauer betrachtet und vielleicht verboten werden?

Überhaupt scheint das Wettern gegen Videospiele in den USA nun zum guten Ton zu gehören. An den laschen Waffengesetzen und den lächerlichen Kontrollen mag man dagegen so gar nicht rütteln. Vor allem natürlich, wenn man zur National Rifle Association (NRA) gehört. Dessen Vizepräsident Wayne LaPierre äußerte sich auch kritisch gegenüber gewaltbeinhaltender Videospiele:

Zitat:

In diesem Land agiert eine herzlose, korrupte und verderbende Industrie im Schatten, die Gewalt gegen ihr eigene Volk sät und brutale Spiele wie Bulletstorm, Grand Theft Auto, Mortal Kombat und Splatterhouse verkauft.

Die NRA geht in ihren Statement auf die freie Verfügbarkeit von Waffen nicht einmal ein. Natürlich behandelt man auch mit einem Waffenverbot oder strengeren Kontrollen nicht die Ursachen, die Gründe für solche Gewalttaten sein mögen, doch wäre es nicht ein Schritt in die richtige Richtung?

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Die Entwicklung in Deutschland
Doch kommen wir zur Entwicklung dieser Diskussion bei uns in Deutschland. Derzeit hören wir nichts mehr davon und zahlreiche Titel wie Gears of War 3, Call of Duty: Black Ops II und Borderlands 2, die vor einigen Jahren noch deftige Schnitte über sich hätten ergehen lassen müssen, erschienen nun ungeschnitten. Die Politik scheint bei uns beim Umgang mit Videospielen die Friedenspfeife geraucht zu haben. Fragt sich bloß, wie lange.

Tatsächlich brach auch bei uns die Diskussion über mögliche Verbote immer wieder nach Amokläufen hervor. Denn natürlich spielt jeder Täter Call of Duty und Co., oder zumindest möchte die Presse das gerne so haben. Fast alle Spiele werden dann zum Shooter oder zum Massenmetzler erklärt. Interessanterweise decken sich Aussagen von Angehörigen oder Freunden der Täter, sofern sie einmal authentisch übermittelt werden, selten mit dem, was die Nachrichtenportale zu berichten wissen. Und auch dann, wenn die Polizei berichtete, kein einziges Videospiel auf den vorgefundenen Geräten entdeckt zu haben, werden die Täter nachher dennoch gerne zu Killerspielern erklärt… Wir würden das als eine Möglichkeit von Presse und Behörden beschreiben, den Grund in falschen Tatsachen zu suchen.

Die wohl gravierendste Änderung im deutschen Jugendschutzgesetz, die Videospiele und weitere Trägermedien betraf, fand zum 1. April 2003 ihre Wirkung und war eine direkte Reaktion zum Amoklauf an einem Gymnasium in Erfurt im April 2002. Nachdem beim Amokläufer Spiele wie Return to Castle Wolfenstein und Hitman gefunden wurden, wurde beschlossen, die Altersfreigaben der USK zu verbindlichen Bedingungen für den Verkauf zu machen. Zuvor handelte es sich dabei nur um Empfehlungen, d.h. auch Minderjährige durften Spiele ab 18 kaufen.

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2006 und 2009 wurden in Folge weiterer Amokläufe verschärfende Maßnahmen gegen Videospiele in der Politik vorgeschlagen – allen voran das Verbot “gewaltverherrlichender Titel”. Tatsächlich umgesetzt wurde davon bislang nichts – und wie wir eingangs festgestellt haben, scheinen sich die Politiker aus diesem Territorium derzeit zurückgezogen zu haben. Insgesamt ist die Wirkung von Gewaltdarstellung in Computerspielen verschiedener Genres überhaupt sehr umstritten. Sicherlich kann man sie auch nicht verallgemeinern, da verschiedene Individuen nun einmal auch unterschiedlich reagieren. Doch in jedem Fall würden wir vorsichtig die Überzeugung äußern, dass Videospiele nie die Ursache, sondern dargestellte Szenarien höchstens die Auslöser sein könnten. Gleichzeitig lösen ja auch nicht nur Videospiele Aggressivität aus, denn auch der eine oder andere Brettspieler neigt zu wiederkehrenden Aggressionen ob eines verlorenen Spiels.

Doch die Frage bei den Ermittlungen sollte nicht sein, ob ein Videospiel in der Lage ist, jemanden zu einer solchen Tat zu bewegen. Viel mehr sollte man ergründen, wie die Umwelt des Täters ihn beeinflusst und möglicherweise zu der Tat genötigt haben könnte.

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