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Alice: Madness Returns – Review

Informationen gepostet von News Bot | Freitag 15. Juli 2011 um 00:07 Uhr

Was der verrückte Hutmacher in Lewis Carrols vielseitigen Interpretationen des weltbekannten Romans für das Wunderland bedeutet, ist der wohl ebenso verrückt-kreative Spieldesigner American McGee seit geraumer Zeit für die Videospielbranche. 11 Jahre nach dessen ersten abgedrehten Ausflug und vielen misslungenen Projekten wagt er sich mit tatkräftiger Entwicklungs-Unterstützung zu einer viel beachteten Rückkehr ins Wunderland.

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Völlig verrückt

Hintergrundgeschichte, Szenario, Charaktere, Ereignisse sowie Dialoge von Alice: Madness Returns ohne Wahnwitz völlig nüchtern in eine für den Leser klare Textform zu bringen, gestaltet sich nicht gerade einfach. Nach den zwei bekannten Büchern von Lewis Carroll stellt dieses Spiel nämlich zeitlich gesehen den vierten Teil dar, der dritte ist das im Jahr 2000 vorerst exklusiv für PC erschienene American McGee´s Alice. Beim Kauf der Konsolenversion ist ein Download-Code enthalten, um diese kleine Perle auch auf der PS3 nachholen zu können. Elf Jahre sind nach diesen Ereignissen vergangen, Alice vegetiert mittlerweile in einem Londoner Waisenhaus vor sich hin. Alle Versuche des Psychiaters, ihr Trauma der Vergangenheit, also den grausamen Feuertod ihrer Familie zu bewältigen, scheitern kläglich. Auf den Straßen Londons folgt sie einer weißen Katze bis ins Wunderland. Doch selbst der einst farbenfrohe Zufluchtsort wird seinem klangvollen Namen nicht mehr gerecht: Tot, Leid, Verfall und Zerstörung herrschen in den bunt-düster-bizarren Landschaften und seinen verfallenen Ruinen. Schuld daran sind aber nicht die Vier Apokalyptischen Reiter, sondern die Herzkönigin – oder doch nicht?! Trotzdem dürften viele Abschnitte sowie Figuren besonders den Kennern der Vorlage bekannt vorkommen, wenn auch in bislang noch nie gesehener Art und Weise, was das Abenteuer besonders reizvoll macht. So bekommen etwa der verrückte Hutmacher, Grinsekatze, Walross, Zimmermann und viele andere teilweise denkwürdige Auftritte aber auch dezente Anspielungen spendiert, weshalb es sich in jedem Falle lohnt, die Spielwelt von Grund auf mit offenen Augen zu erforschen. Zuviel sei aber an dieser Stelle nicht von den Geschehnissen geschildert, nur soviel: Es lohnt sich wirklich, das ungewöhnliche Action-Adventure bis zum Ende durchzuspielen. Die komplette Geschichte erstreckt sich dabei über eine ungewöhnlich lange Spielzeit von etwa 20 Stunden bis ins finale sechste Kapitel. Hier klären sich letztendlich alle Dinge, die im ersten Augenblick noch sinnlos erscheinen. Besonders hervorhebenswert ist dabei die Erzählweise, denn neben vielen Situationen in Spielgrafik greift Alice: Madness Returns auch zu anderen Stilmitteln in Form von sehenswerten Zwischensequenzen und einsammelbaren Erinnerungen. Eines wird dabei aber schnell klar: Dieses Spiel gehört nicht in zarte Kinderhände, dafür gestaltet sich die komplette Präsentation als zu verstörend.

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Oldschool trifft Altbacken

Spielerisch entpuppt sich Alice: Madness Returns als überaus vielseitig, wobei leider nicht alle Elemente gelungen ineinander greifen. In jedem Kapitel bekommt Alice kleinere und größere Aufgaben gestellt, etwa dem verrückten Hutmacher seine Gliedmaßen wieder zu beschaffen oder Seemänner-Geister zu befreien. Ausschweifende Jump´n´Run-Passagen nehmen eindeutig den Großteil der Spielzeit ein. Alice stellt sich dabei alles andere als ungeschickt an, was auch an der gelungenen Steuerung liegen mag. So lassen sich bis zu drei Sprünge nacheinander ausführen und der Rock hat eine nützliche Schwebefunktion, was bei stellenweise großen Sprungdistanzen zugute kommt. Da automatische Rücksetzpunkte überaus fair verteilt wurden, sind schwierigere Abschnitte mit beweglichen Plattformen oder Hindernissen zwar herausfordernder, aber zu keinem Zeitpunkt unfair. Den schmalen Spielspaßgrat beschreiten die eingestreuten Minispielchen, die sich leider nicht allesamt so gut ins Spiel integrieren können. Völlig unpassend werden Spieler den Sidescroll-Arcade-Shooter oder ruckelige Guitar-Hero-Einlagen empfinden, die genauso wenig passen wie die niveaulosen Japan-Tsunami-Witze vom bigFM-Morgenhans. Lockerer von der Hand fügen sich Puppenkopf-Kegeln, Schiebepuzzles mit Zuglimit, Schach oder Rutschen in den Spielablauf ein. Als echtes kleines Highlight sind die 2D-Jump´n´Runs in Gemälden zu nennen. Das hat unheimlich viel Stil und erinnert stellenweise an die ersten Hüpf- und Gehversuche mit einem bekannten Klempner. Nett: Viele dieser Minispielchen sind auch überspringbar.

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Schrumpf ist Trumpf

Ziemlich pfiffig wird Alice: Madness Returns, wenn die Hauptprotagonistin jederzeit per simplen Knopfdruck zur Schrumpfine wird, was auch spielerisch Sinn ergibt. Die kleine Alice sieht so nämlich versteckte Hinweise und kann sich nämlich durch offensichtliche und weniger offensichtliche Schlüssellocher zwängen, um geheime Räume zu entdecken. Alternativ werden auch unsichtbare Plattformen plötzlich sichtbar. Damit nicht genug, denn an bestimmten Stellen zeigt sich das Spiel sogar übelst versaut: Das Abschießen von Schweineschnauzen offenbart ebenso neue Plattformen oder weitere Geheimgänge. Belohnt werden die Spieler mit Flaschen (schaltet Konzeptgrafiken frei), Erinnerungsschnipsel sowie einer ganzen Menge Zähne. Letztere sind wiederum notwendig um das magere Waffenarsenal von jeweils zwei Nahkampf- sowie Fernkampfwaffen in vier Stufen aufzurüsten: Küchenmesser sowie Steckenpferd erweisen sich als sehr effektive Handlanger, während die Pfeffermühle als Minigun und eine Teekanne als Granatwerfer fungieren. Dazu gesellt sich lediglich noch eine zerstörerische Kaninchenbombe und ein Regenschirm, der besonders nützlich ist um feindliche Geschosse zu kontern. Das passt wunderbar ins verrückte Szenario, hätte aber weitaus umfangreicher ausfallen dürfen. Trotzdem machen die Kämpfe sehr viel Spaß, was an den verschiedenen kreativen Gegnerarten wie schießwütigen Riesenkrebsen, Samurai-Wespen, Augenpötten oder Besteck-Goblins mit besonderen Verhaltensmustern liegt, um nur einen kleine Gruppe der markantesten Widersacher zu nennen. Augenpötte (na, wer erkennt den modernen Ipod-Wortwitz) beispielsweise greifen sehr aggressiv an und sind nur an ihrem namensgebenden Zyklopenauge verwundbar. Besonders herausfordernd werden die Scharmützel ab dem zweiten Kapitelende, wenn Gegnergruppen immer größer werden und viele unterschiedliche gleichzeitig angreifen. In diesen Fällen müssen dann Prioritäten gesetzt werden: Neben ständiger Bewegung ist dann auch die Wahl der richtigen Waffe, Vorgehensweise und Reihenfolge bei der Gegnerbekämpfung maßgeblich für erfolgreiche Keilereien. Sollte sich die Lebensanzeige trotz aller Voraussicht leeren, verfällt Alice in Hysterie und ist für eine kurze Zeit unverwundbar und besonders fatal in ihren Angriffen. Insgesamt machen die Kämpfe viel Spaß, gehen flott von der Hand – können sich aber trotzdem nicht mit anderen Action-Adventures wie God of War 3, Darksiders, Dantes Inferno oder Castlevania messen. So sind weder Angriffe in der Luft möglich, noch wirklich fatale Kombos, Spezialangriffe oder Charakteraufrüstung.

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Hübsch hässlich, hässlich hübsch

Technische Wunderwerke scheinen mit der Unreal Engine 3 aktuell nicht mehr möglich zu sein. Alice: Madness Returns nutzt die Kraft des Grafikmotors nur zu seinem besonderen Stil und kaschiert dabei so einige Schwachpunkte, wobei matschige und extrem niedrig aufgelöste Texturen abschrecken, die schon in der vorherigen Konsolengeneration nur schwer ertragbar gewesen wären. Auf der anderen Seite steht aber eine kunstvolle Level- und Charaktergestaltung, die ihresgleichen sucht und mit vielen kleinen und großen spannenden Details aufwartet. Zwischen den abwechslungsreichen Wunderland-Abschnitten ist Alice im linear-trostlosen London unterwegs, das immer gleich grau aussieht. Auf dem Servierteller des Level-Abwechslungsreichtums liegen wunderschöne Wälder, Fabriken, Unterwasserlandschaften, Fernöstliches sowie das riesige Puppenhaus. Alice ist in jedem Schauplatz übrigens auch anders gekleidet. Die Entwickler haben sich wohl bereits in der Konzeptphase in Sachen Ideenreichtum, Wahnwitz und deren anschließender Umsetzung offenbar keine Grenzen gesetzt. Doch was nützt das alles, wenn schlampige Synchronisationen die wunderbare Atmosphäre zerstören? Glücklicherweise müssen sich Spieler diese Frage hier nicht stellen, denn sowohl englische als auch deutsche Sprachausgabe sind überaus gelungen und tragen zur hervorragenden Stimmung bei. Dynamische Musikuntermalung von Chris Vrenna (Nine Inch Nails) untermauert diesen positiven Aspekt nochmals.

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Verwirrendes Fazit

Objektive Bewertungen in allen Ehren, aber Alice: Madness Returns gehört schon eher in die diskussionsträchtige Spalter-Kategorie, die im Videospieljahr 2011 besonders stark vertreten scheint: Entweder man liebt es, oder man hasst es. Doch im Gegensatz zu einem Duke Nukem Forever oder No More Heroes: Heroes Paradise gibt sich der neue Titel von American McGee weitaus ernster, verstörender und kreativer – abgesehen vom Detailgrad der Grafik aber auch qualitativ um Wunderwelten besser. Im Genre der immer rarer werdenden dreidimensionalen Jump & Runs ist Alice: Madness Returns durchaus ein Highlight dieser Zeit, auch wenn Spielmechanismen sowie Levelgestaltung sehr zwischen Oldschool und Altbacken schwanken. In der Teerunde der besten Action-Adventures dieser Konsolengeneration darf Alice durchaus neben Dante, Kratos, Krieg und Gabriel Platz nehmen.

Alice: Madness Returns

Packshot
Release Datum 17.06.2011
Genre Action, Horror
Publisher Electronic Arts
Entwickler Spicy Horse
Altersfreigabe USK 16
Move Support Nein

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